20. Mai 2009 Auswirkungen des Web 2.0 auf die Informatik-Entwicklungen

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Der folgende Artikel ist kein typischer Blogbeitrag und vielleicht auch etwas lang, dennoch möchte ich meine Gedanken zum Thema »Auswirkungen des Web 2.0 auf die Informatik-Entwicklungen« hier veröffentlichen und würde mich über eine anschließende Diskussion in den Kommentaren freuen.

Web 2.0 verändert das Internet. Das hat es bereits getan und das wird es weiter tun. Doch um zu verstehen, welche Auswirkungen diese Entwicklung haben kann, muss man sich bewusst sein, wofür Web 2.0 wirklich steht. Denn Web 2.0 ist ein Modewort, geschaffen um Veränderung zu signalisieren. Häufiger Kritikpunkt ist, dass es die Entwicklungen des World Wide Webs zu sehr vereinfacht. Das Web besteht nicht aus diskreten Versionssprüngen. Vielmehr ist es bis heute kontinuierlichen Veränderungen unterworfen, ausgelöst durch neue Technologien, neue Konzepte oder dem Vorhandensein einer kritischen Masse an Nutzern.

Der Begriff Web 2.0 umfasst deshalb vieles. Das Schaffen von Plattformen in denen erstmals der Nutzer im Mittelpunkt steht, ist sicherlich einer der Kernpunkte. „Users Add Value“, so beschreibt es Tim O’Reilly in [1]. Der Nutzer ist nicht länger nur Konsument, er gestaltet die Inhalte im Web. Längst ist klar, dass das World Wide Web tiefgreifende Veränderungen in Gesellschaft und Kultur hervorruft. Die Medienlandschaft ändert sich grundlegend. Doch welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen auf die Informatik?

Das Web ist schon heute die größte Informationsquelle der Welt. Dank den Entwicklung des Web 2.0 kann jeder Nutzer auch eine aktive Rolle übernehmen und weitere Informationen hinzufügen, wie es beispielsweise die Wikipedia eindrucksvoll zeigt. Dadurch stehen etliche Plattformen bereit, um sich über alles jederzeit informieren und austauschen zu können. Doch Information muss auch gefunden und bewertet werden. Diese Aufgabe können verschiedene Parteien teilweise übernehmen: Suchmaschinen, Journalisten, etc. Dennoch bleibt es nicht aus, dass die Medienkompetenz des einzelnen Nutzers von großer Bedeutung ist. Der Nutzer selbst muss wissen, welchen Quellen er vertraut, wie er diese Quellen zu bewerten hat und welche Schnittstellen er im Web nutzen kann, um sich überhaupt erst die passenden Informationen zu beschaffen. Jemand der mit den Technologien des Webs umgehen kann, wird immer auch den größeren Nutzen daraus ziehen können. Ein Beispiel: „Mashup“ ist ein Begriff des Web 2.0 und bezeichnet das „Verknüpfen“ verschiedener Informationen aus diversen Schnittstellen, um daraus etwas zu schaffen, dass mehr ist als die Summe seiner Teile. Für den Bau solcher Mashups sind Grundkenntnisse über Sprachen wie HTML und JavaScript durchaus ausreichend. Wer selbst kreativ mit den Schnittstellen des Webs umgehen kann, profitiert davon. Grundlegende Fähigkeiten im Umgang mit diesen Technologien werden deshalb an Bedeutung gewinnen. Die Informatik wird damit eine noch größere Rolle spielen als bisher. Bildung muss die nötigen Grundlagen schaffen, um mit dem Internet aktiv umgehen zu können.

Andererseits muss die Informatik als Wissenschaft den Wandel im Web sinnvoll begleiten. Sie muss sich den Problemen widmen, die sich als Konsequenz auf die Bildung von großen sozialen Community-Plattformen ergeben. Privatsphäre und Kontrolle über die eigenen Daten im Netz gewinnen zunehmend an Bedeutung, um dem vollkommen gläsernen Nutzer entgegenzutreten. Mit den modernen Methoden der Kryptographie bietet die Informatik die nötigen Grundlagen hierfür. Zudem hat das sog. Semantic Web vor kurzem zu einer Reaktivierung der Forschung im Bereich der Wissensrepräsentation geführt. Beim Semantic Web geht es darum, Information so zu beschreiben, dass sie nicht nur von Menschen sondern auch von Maschinen interpretiert werden kann. Das Word Wide Web Consortium (W3C), allen voran der WWW-Erfinder Tim Berners-Lee, befasst sich momentan intensiv mit diesen semantischen Technologien [2]. Dies sind nur einige der zahlreichen Bereich im Web, in denen die Informatik noch benötigte Grundlagen erarbeiten kann und wird.

Die Informatik ist grundsätzlich eine Wissenschaft, die direkt in Zusammenhang mit Technologie steht. Innovation im Web entsteht deshalb sowohl auf Seite der Universitäten und Forschungseinrichtungen als auch außerhalb. Unternehmen, Freiberufler und Hobbynutzer suchen und finden häufig sehr pragmatische Lösungsansätze für Probleme, die in der Theorie sehr komplex sind. Einige Beispiele sollen dies verdeutlichen.
Das W3C befasst sich seit Jahren mit einem Nachfolger der aktuellen Standard-Markupsprache fürs WWW, HTML 4 bzw. XHTML 1/1.1. Mit XHTML 2 soll ein solcher Nachfolger geschaffen werden. Dabei kommen völlig neue Konzepte zum Einsatz. HTML wird quasi vollständig neu auf Basis der Auszeichnungssprache XML definiert. Der Prozess einen solchen Standard zu entwickeln und ihn praktisch einzuführen dauert allerdings mittlerweile so lange, dass schon wieder neue Bedürfnisse vorhanden sind, die sich aus der Folge der Web 2.0-Entwicklungen ergeben haben. Daraufhin bildete sich die WHATWG Community, ein Zusammenschluss aus Einzelpersonen von Unternehmen und Organisationen wie Apple, Mozilla und Opera, die nun dabei sind HTML 5 zu definieren. HTML 5 ist dabei keine vollständige Erneuerung von HTML, sondern bietet verschiedene sinnvolle Ergänzungen, die nach und nach von den Browserherstellern übernommen werden können. Der Standardisierungsprozess bekommt dadurch zeitnah Rückmeldungen aus der Praxis und kann sich gegebenenfalls anpassen.
Eine andere Entwicklung kam vor einiger Zeit direkt aus der Entwicklerszene. Aus dem Bedürfnis heraus Daten in HTML-Dokumenten semantischer zu strukturieren, um sie so für andere Prozesse nutzbar zu machen, etablierten sich die Microformats zu einem quasi Standard. Sie sind wesentlich simpler als die Technologien aus dem Semantic Web, dafür aber sofort einsetzbar und ein Schritt in die richtige Richtung.
Es ist spannend zu beobachten, wie verschiedene Gruppen hier immer wieder voneinander lernen, alle mit dem selben Ziel, das World Wide Web voran zu bringen.

Zusammenfassend lässt sich nun erkennen, dass die Auswirkungen des Web 2.0 auf die Informatik durchaus sehr unterschiedlich sind. Bedeutsam ist die Rolle dieser noch recht jungen Wissenschaft alle mal. Nicht zuletzt deshalb war 2006 das Jahr der Informatik. Durch das Web und insbesondere den neueren Entwicklungen, wird die Informatik überall und zu jederzeit fassbar. Es ist eben keine Wissenschaft, die im Verborgenen in diversen Bildungs- und Forschungseinrichtungen stattfindet. Die Einstiegshürde ist relativ gering. Persönlich bin ich deshalb davon überzeugt, dass die junge Generation der sog. „Digital Natives“ mit Teilen der Informatik ganz selbstverständlich umgehen wird, genau so, wie es mit Schreiben, Lesen und Rechnen der Fall ist. Die Anzahl, der an den Informatik-Entwicklungen beteiligten Gruppen und Personen, wird dadurch weiter zunehmen.

Mario Volke, 2009

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Kommentare

  1. Am 29. Juli 2009 um 18:57 Uhr
    Sven gravatar

    Sehr interessantes Thema, allerdings ist mirs im moment zu viel Text ;)

  2. Am 29. Juli 2009 um 19:25 Uhr
    Mario Volke gravatar

    Ich würde mich trotzdem freuen, wenn ihn jemand liest :)

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